Die Auswirkungen des Vollmondes - kleine Kräfte, grosser Effekt

Die Auswirkungen des Vollmondes scheinen ja deutlich zu sein. Er lässt uns romantisch in die Nacht blicken und von schönen Dingen träumen. Er kann sehr inspirierend sein.

Oder störend: Viele Menschen behaupten, der Einfluss des Vollmondes beraube sie des Schlafes, störe ihre Konzentration bei der Arbeit oder beeinflusse ihre Gesundheit. Aber stimmt das auch?

Das Auffälligste am Vollmond – und wohl auch das Störendste an ihm – ist die Helligkeit, die er in wolkenlosen Nächten auf die Erde bringt. In einer Vollmondnacht kann man sich draussen sehr gut orientieren. Die Beleuchtungsstärke ist allerdings nicht hoch genug, um auch gutes Farbsehen zu ermöglichen. Wir sehen im Mondlicht alles Schwarzweiss. Das Vollmondlicht reicht aus, um sehr vielen Tieren als Taktgeber zu dienen und ihnen die Nacht zu erhellen (siehe weiter unten). Auch viele Pflanzen können dank des Zyklus des Mondes innere Rhythmen synchronisieren.

Stört uns der Vollmond wirklich? Und wie sollte er das tun können?

Aber ist es wahr, dass der Vollmond allein durch seine Gravitationskraft oder andere bisher unbekannte Wirkmechanismen einen negativen Einfluss auf unseren Schlaf und unser Wohlbefinden ausüben kann? Dazu ein paar Überlegungen:

  • Der Mond ist immer da, nicht nur bei Vollmond. Seine "Kräfte" wirken also immer.
  • Sein Abstand zur Erde variiert zwar zwischen 363'000 und 405'000 Kilometern, diese Schwankungen können wir jedoch nur schwer wahrnehmen.
  • Wenn uns nicht das Licht beeinflusst, das der Mond auf die Erde wirft, welche andere besondere "Kraft" könnte denn bei Vollmond wirken und bei Halbmond nicht? Bisher sind keine anderen Kräfte gemessen worden.
  • Der Mond "umrundet" uns in 24 Stunden und 50 Minuten einmal. Wir müssten eine Wirkung dieser Mondüberflüge doch auch "spüren" können, wenn es sie gibt; und nicht bloss wenn Vollmond ist.
  • Wieso stört uns nur der Vollmond und der Neumond nicht? Weil der Neumond kein Licht auf die Erde wirft? Alle anderen Kräfte wären gleich.
  • Die Gravitationskraft auf der Erde kennen wir gut. Sie macht einen 100-Kilogramm-Mann auf der Erde 100 Kilogramm schwer. Wenn der Mond über uns hinwegflieg zieht dessen Gravitationskraft mit etwa 0.01 Gramm an dem Mann und macht ihn um diesen Betrag leichter. Die vom Mond ausgehende Gravitationskraft ist also auf der Erde minim.

Moon Earth Comparison

Man muss sich Erde und Mond als ein System vorstellen, am einfachsten wie eine Hantel mit ungleichen Gewichten: Das eine – grosse und schwere – Gewicht ist die Erde, das andere ist der 81-mal leichtere Mond.

Wieso stört uns denn der Neumond oder der Halbmond nicht?

Erstaunlich ist dabei, dass der Neumond - im Gegensatz zum Vollmond - niemanden stört, obwohl seine messbaren Kräfte denen des Vollmonds ebenbürtig sind. Physikalisch begründen lassen sich die vermuteten Einflüsse des Vollmonds wie auch der Sternzeichen mit der Wissenschaft aber nicht.

Auch über einen allfälligen Zusammenhang zwischen Mondphase und Schlaf, Unfallstatistiken oder Arbeitsleistung wurden schon viele Studien gemacht; wissenschaftlich lassen sich auch hier ausser dem fahlen Licht des Mondes und der Gravitationskraft keine direkten Wirkungen des Vollmondes auf uns nachweisen. Auch der Einfluss des Neumondes und des Halbmondes auf Menschen war nicht erkennbar.

Auswirkungen des Vollmondes  18D3525

Die Mondphasen steuern die Gezeiten. Die Gravitationskräfte des Mondes und der Sonne addieren oder subtrahieren sich, je nach Stand der Mondphase.

Auswirkungen des Vollmondes auf Tiere und Pflanzen

Dennoch: Der Mond – insbesondere der rhythmische Wechsel der Mondphasen von Vollmondlicht und Dunkelheit bei Neumond – hat einen grossen Einfluss auf sehr viele Lebewesen. Die monatliche Rhythmik ist Taktgeber für unzählige biologische Prozesse.

Ob es bloss das helle Licht des Vollmonds mitten in der Nacht ist oder vielleicht doch noch andere Kräfte? Die Auswirkungen des Mondes auf uns sind in Tat und Wahrheit sehr undeutlich...

Im Meer sind die Auswirkungen des Lichts des Vollmondes auf die Tiere mancherorts jedoch extrem. Die Meerestiere schlafen wohl bei Vollmond nicht schlechter als bei Neumond; aber viele wollen bei Vollmond gar nicht schlafen, sondern sich vermehren oder auf die Jagd gehen!

Viele Meerestiere laichen in direkter zeitlicher Abhängigkeit von der Mondphase, wie die Steinkorallen des australischen Great Barrier Reefs, die bei Vollmond alle gleichzeitig Eier und Spermien ausstossen. Diese Synchronisation auf einen externen Zeitgeber (Mondphase) hat mehrere Vorteile: Je mehr Korallen gleichzeitig laichen, desto höher ist die Befruchtungsrate der Eier. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Korallenspermium im grossen Ozean auf ein reifes Korallenei trifft, ist eigentlich gleich Null. Wenn aber alle Korallen gleichzeitig laichen, dann stehen die Chancen gut, dass manche Eier befruchtet werden. Ein zweiter Effekt des Massenlaichens ist ebenso wichtig: Die Heerscharen von Fischen, die die Eier gerne fressen würden, können sich gar nicht auf solche Futtermengen einstellen. Sie schaffen es nicht, alle Eier in nützlicher Frist zu fressen, und die meisten Eier werden auf diese Art verschont.

Wetter in der Bretagne  19C0354 b

Der Vollmond beleuchtet auch unsere Siedlungen. Manch einem gefällt dies gar nicht.

Ein Extrembeispiel ist der Palolo-Wurm der Südsee, der – aufgepasst – jedes Jahr in der siebten Nacht nach dem ersten Vollmond nach Herbstbeginn sein mit Eiern oder Spermien gefülltes Hinterende abgibt… Millionen dieser Hüllen platzen danach an der Meeresoberfläche und die Eizellen und Spermien finden sich. Auch hier kommen die Fressfeinde mit dieser Menge nicht mit!

Auch der Wattwurm an Ärmelkanal und Nordseeküste orientiert sich bei der Fortpflanzung am Mond. Seine jungen Larven werden bei steigender Flut bei Springtiden (also bei Voll- und Neumond) auf dem Strand weit nach oben verfrachtet, meist auf festeres Gelände mit Geröll oder Kies, wo sie ihre ersten Monate verbringen.

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Eins zu zehn Millionen – Wie stark zieht der Mond uns wirklich an?

Mond und Sonne üben Gravitationskräfte auf das bewegliche Wasser der Erde aus. Die Kräfte des Mondes sind dabei etwa doppelt so stark als die der Sonne. Aber sie sind trotzdem gering! Die Erdbeschleunigung hingegen, die uns permanent in Richtung Erdzentrum zieht und uns unser Gewicht verleiht, ist zehn Millionen Mal stärker.

Steht der Mond senkrecht über einem 100 Kilogramm schweren Menschen, wird dieser – im Moment der Mondpassage – ganz sachte angehoben und dadurch um 0.01 Gramm leichter!

Die Gravitation der Sonne erleichtert ihn zur Mittagszeit noch einmal um weitere 0.005 Gramm. Wirklich abnehmen lässt sich mit Mond und Sonne also nicht.

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Zwei Bilder vom selben Standort (Erquy in der Nordbretagne) in dieselbe Richtung, einmal bei Ebbe (oberes Bild) und einmal bei Flut. Bis zwölf Meter hohe Amplituden der Gezeiten machen hier den Unterschied! Bei Ebbe ist der Sandstrand 600m breit, bei Flut ist er komplett verschwunden.



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