Die Auswirkungen des Vollmondes - kleine Kräfte, grosser Effekt

Die Auswirkungen des Vollmondes scheinen ja deutlich zu sein. Er lässt uns romantisch in die Nacht blicken und von schönen Dingen träumen. Er kann sehr inspirierend sein.

Oder störend: Viele Menschen behaupten, der Einfluss des Vollmondes beraube sie des Schlafes oder störe ihre Konzentration bei der Arbeit. Aber stimmt das auch?

Erstaunlich ist dabei, dass der Neumond - im Gegensatz zum Vollmond - niemanden stört, obwohl seine messbaren Kräfte denen des Vollmonds ebenbürtig sind. Belegen lassen sich die vermuteten Einflüsse des Vollmonds wie auch der Sternzeichen – mehr Unfälle, höhere Geburtenraten, steigende Kriminalität – aber nicht.

Über einen allfälligen Zusammenhang zwischen Mondphase und Schlaf, Unfallstatistik oder Arbeitsleistung wurden schon viele Studien gemacht; wissenschaftlich lassen sich ausser dem fahlen Licht des Mondes und der Gravitationskraft keine direkten Auswirkungen des Vollmondes auf uns nachweisen. Auch der Einfluss des Neumondes auf Menschen war nicht erkennbar.

Auswirkungen des Vollmondes  18D3525

Die Mondphasen steuern die Gezeiten. Die Gravitationskräfte des Mondes und der Sonne addieren oder subtrahieren sich, je nach Stand der Mondphase.

Auswirkungen des Vollmondes auf Tiere und Pflanzen

Dennoch: Der Mond - insbesondere der rhythmische Wechsel der Mondphasen von Vollmondlicht und Dunkelheit bei Neumond - hat einen grossen Einfluss auf sehr viele Lebewesen. Die monatliche Rhythmik ist Taktgeber für unzählige biologische Prozesse.

Ob es bloss das helle Licht des Vollmonds mitten in der Nacht ist oder vielleicht doch noch andere Kräfte? Die Auswirkungen des Mondes auf uns sind in Tat und Wahrheit sehr undeutlich...

Im Meer sind die Auswirkungen des Lichts des Vollmondes auf die Tiere mancherorts jedoch extrem. Die Meerestiere schlafen wohl bei Vollmond nicht schlechter als bei Neumond; aber viele wollen bei Vollmond gar nicht schlafen, sondern sich vermehren oder auf die Jagd gehen! Viele Meerestiere laichen in direkter zeitlicher Abhängigkeit von der Mondphase, wie die Steinkorallen des australischen Great Barrier Reefs, die bei Vollmond alle gleichzeitig Eier und Spermien ausstossen. Diese Synchronisation auf einen externen Zeitgeber (Mondphase) hat mehrere Vorteile: Je mehr Korallen gleichzeitig laichen, desto höher ist die Befruchtungsrate der Eier; ausserdem können sich die Heerscharen von Fischen, die die Eier gerne fressen würden, gar nicht auf solche Futtermengen einstellen, die meisten Eier werden auf diese Art verschont.

Wetter in der Bretagne  19C0354 b

Ein Extrembeispiel ist der Palolo-Wurm der Südsee, der – aufgepasst – jedes Jahr in der siebten Nacht nach dem ersten Vollmond nach Herbstbeginn sein mit Eiern oder Spermien gefülltes Hinterende abgibt… Millionen dieser Hüllen platzen danach an der Meeresoberfläche und die Eizellen und Spermien finden sich. Auch hier kommen die Fressfeinde mit dieser Menge nicht mit!

Auch der Wattwurm an Ärmelkanal und Nordseeküste orientiert sich bei der Fortpflanzung am Mond. Seine jungen Larven werden bei steigender Flut bei Springtiden (also bei Voll- und Neumond) auf dem Strand weit nach oben verfrachtet, meist auf festeres Gelände mit Geröll oder Kies, wo sie ihre ersten Monate verbringen.

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Eins zu zehn Millionen – Wie stark zieht der Mond uns wirklich an?

Mond und Sonne üben Gravitationskräfte auf das bewegliche Wasser der Erde aus. Die Kräfte des Mondes sind dabei etwa doppelt so stark als die der Sonne. Aber sie sind trotzdem gering! Die Erdbeschleunigung hingegen, die uns permanent in Richtung Erdzentrum zieht und uns unser Gewicht verleiht, ist zehn Millionen Mal stärker.

Steht der Mond senkrecht über einem 100 Kilogramm schweren Menschen, wird dieser – im Moment der Mondpassage – ganz sachte angehoben und dadurch um 0.01 Gramm leichter!

Die Gravitation der Sonne erleichtert ihn zur Mittagszeit noch einmal um weitere 0.005 Gramm. Wirklich abnehmen lässt sich mit Mond und Sonne also nicht.

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Zwei Bilder vom selben Standort (Erquy in der Nordbretagne) in dieselbe Richtung, einmal bei Ebbe (oberes Bild) und einmal bei Flut. Bis zwölf Meter hohe Amplituden der Gezeiten machen hier den Unterschied! Bei Ebbe ist der Sandstrand 600m breit, bei Flut ist er komplett verschwunden.


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