Wer an Gezeiten denkt, hat meist die Nordsee mit dem Wattenmeer vor Augen: Wattflächen, die zweimal täglich trockenfallen, und Häfen, deren Wasserstand sichtbar schwankt. Doch die Nordsee mit ihren rund 4-5 Metern Tidenhub gehört nicht einmal ansatzweise zu den Regionen mit den stärksten Gezeiten der Erde.
An einigen Küsten der Welt hebt und senkt sich das Meer um mehr als zehn Meter. In den extremsten Fällen beträgt der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser fast 17 Meter – das entspricht der Höhe eines fünfstöckigen Gebäudes. Das sind die stärksten Gezeiten der Welt.
Der Tidenhub bezeichnet den Höhenunterschied zwischen Hochwasser und Niedrigwasser. Verursacht werden die Gezeiten hauptsächlich durch die Gravitationskräfte von Mond und Sonne sowie durch die Rotation der Erde.
Während der mittlere Tidenhub an vielen Küsten nur ein bis zwei Meter beträgt, können bestimmte geografische Bedingungen die Gezeitenwelle enorm verstärken. Besonders trichterförmige Buchten und langgestreckte Meeresarme wirken wie natürliche Resonanzkörper und schaukeln die Gezeiten regelrecht auf.
Die folgende Tabelle enthält ausschließlich Standorte, für die belastbare wissenschaftliche oder behördliche Angaben vorliegen. Da Messmethoden, Bezugszeiträume und Definitionen von „Mittelwert“ regional variieren, werden Mittelwerte von Ebbe und Flut als typische Springtidenbereiche angegeben.

Am Ärmelkanal sind die Gezeiten vor allem in der Bucht des Mont Saint-Michel mit mehr als 12 Metern am stärksten.
Lange Zeit galt die Bay of Fundy an der kanadischen Atlantikküste als unangefochtener Weltrekordhalter. Tatsächlich werden im Minas Basin, dem innersten Teil der Bucht, regelmäßig Springtiden von rund 14,5 Metern erreicht. Unter extrem günstigen astronomischen Bedingungen liegt der Tidenhub sogar bei knapp 17 Metern.
Neuere ozeanographische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass die Ungava Bay im Norden Québecs mindestens gleichwertig ist. Im Leaf Basin, einem Seitenarm dieser riesigen arktischen Bucht, wurden Gezeitenhübe von bis zu 16,8 Metern berechnet und dokumentiert.
Heute betrachten viele Fachleute beide Regionen als praktisch gleichrangige Rekordhalter. Der Unterschied zwischen den maximalen Werten liegt im Bereich weniger Dezimeter und damit innerhalb der Unsicherheiten verschiedener Messverfahren.
Bay of Fundy: Der Referenzpunkt für extreme Gezeiten
Die Bay of Fundy zwischen Nova Scotia und New Brunswick gilt seit Jahrzehnten als Maßstab für extreme Gezeiten. Die Bucht verengt sich zum Landesinneren hin wie ein riesiger Trichter. Gleichzeitig entspricht ihre natürliche Schwingungsperiode nahezu dem Rhythmus der Gezeitenwelle des Atlantiks. Dieser Resonanzeffekt verstärkt die Wasserbewegung erheblich.
Im Minas Basin werden durchschnittliche Springtiden von rund 14,5 Metern erreicht. Die offiziell dokumentierte maximale Tidenhubhöhe beträgt 16,3 Meter. Damit gehört die Bay of Fundy zu den Regionen mit den größten jemals gemessenen Gezeitenunterschieden auf der Erde.
Jede Tide transportiert dort gewaltige Wassermassen. Das Gebiet ist deshalb eines der wichtigsten natürlichen Labore für die Erforschung von Gezeitenströmungen, Sedimenttransport und Küstendynamik.
Die Bay of Fundy liegt zwischen Nova Scotia und New Brunswick und gilt seit Jahrzehnten als Maßstab für extreme Gezeiten. Die Bucht verengt sich zum Landesinneren hin wie ein riesiger Trichter. Gleichzeitig entspricht ihre natürliche Schwingungsperiode nahezu dem Rhythmus der Gezeitenwelle des Atlantiks. Der entstehende Resonanzeffekt verstärkt die Wasserbewegung erheblich.
Im Minas Basin werden durchschnittliche Springtiden von rund 14,5 Metern erreicht. Die offiziell dokumentierte maximale Tidenhubhöhe beträgt 16,3 Meter. Damit gehört die Bay of Fundy zu den Regionen mit den größten jemals gemessenen Gezeitenunterschieden auf der Erde.
Jede Tide transportiert dort gewaltige Wassermassen. Das Gebiet ist deshalb eines der wichtigsten natürlichen Labore für die Erforschung von Gezeitenströmungen, Sedimenttransport und Küstendynamik.
Weniger bekannt, aber wissenschaftlich äußerst interessant, ist die Ungava Bay im Norden Québecs. Die Ungava Bay gehört zu den am wenigsten besiedelten Regionen Nordamerikas. Ihre enorme Ausdehnung und Geometrie führen zu außergewöhnlich starken Gezeitenresonanzen. Neuere hydrographische Untersuchungen zeigen maximale Tidenhübe von etwa 16,8 Metern. Damit könnte die Region lokal sogar die Bay of Fundy übertreffen.
Die kanadische hydrographische Behörde weist darauf hin, dass sowohl die Bay of Fundy als auch die Ungava Bay Tidenbereiche von rund 16 Metern erreichen. Unterschiede hängen teilweise von der genauen Messposition und der Definition des Vergleichswertes ab.
Zwischen Südwestengland und Wales liegt der Bristol Channel, Europas bekannteste Region für extreme Gezeiten. Die Kombination aus breitem Atlantikzugang und starker Verengung Richtung Severn Estuary erzeugt regelmäßig Springtiden von über zwölf Metern. In Extremfällen werden etwa 15 Meter erreicht.
Die Region ist außerdem für den „Severn Bore“ bekannt – eine Gezeitenwelle, die flussaufwärts wandert und Surfer aus aller Welt anzieht.
An der Küste der Bretagne entstehen durch die Geometrie des Ärmelkanals außergewöhnlich hohe Gezeiten. Besonders rund um Saint-Malo und den Mont-Saint-Michel liegen die Springtiden regelmäßig über elf Metern. Kaum ein Ort verdeutlicht die Kraft der Gezeiten so eindrucksvoll wie der Mont-Saint-Michel. Bei Niedrigwasser zieht sich das Meer kilometerweit zurück, während die Flut große Teile der Bucht innerhalb weniger Stunden wieder überflutet.
Die Atlantikküste Patagoniens gehört zu den gezeitenstärksten Regionen der Südhalbkugel. Insbesondere im Bereich von Río Gallegos treten mittlere Springtiden von über zehn Metern auf.
Verantwortlich sind die Form des Kontinentalschelfs sowie die Wechselwirkung zwischen der einlaufenden Atlantikwelle und den Küstenformen Südamerikas.
Der Cook Inlet in Alaska weist die größten regelmäßig auftretenden Gezeiten der Vereinigten Staaten auf. Besonders im Turnagain Arm entstehen starke Strömungen und teilweise boreartige Gezeitenwellen. NOAA gibt typische Tidenbereiche von rund neun Metern an, lokal werden noch größere Werte erreicht.
Die enormen Strömungsgeschwindigkeiten machen das Gebiet für die Schifffahrt anspruchsvoll und gleichzeitig für die Gezeitenenergieforschung interessant.
Die abgelegene Penzhina Bay im Nordosten Russlands zählt zu den größten Gezeitenregionen Asiens. Aufgrund ihres enormen Energiepotenzials wird sie seit Jahrzehnten als möglicher Standort für eines der größten Gezeitenkraftwerke der Welt diskutiert.
Es gibt auch auch andernorts durchaus beeindruckende Gezeitensysteme:
Gemeinsam bilden diese Regionen die sogenannten „hypertidalen“ Küsten, bei denen der Tidenhub regelmäßig zehn Meter überschreitet.

Die größten Gezeiten der Erde treten nicht zufällig auf. Fast alle "Rekordregionen" besitzen drei gemeinsame Eigenschaften:
Die Bay of Fundy, der Ärmelkanal und die Ungava Bay gelten heute als die eindrucksvollsten Beispiele für dieses Phänomen.
Um mehr als 12 Meter steigt das Wasser an der Nordküste der Bretagne; manchmal steigt das Wasser höher als Hafenanlagen dies zulassen würden.
Wer die stärksten Gezeiten der Erde erleben möchte, muss nicht zwangsläufig nach Kanada, Alaska, Australien oder Argentinien reisen. Die spektakulärsten Gezeitenregionen finden sich auch in Europa am Ärmelkanal.
Die größten Gezeiten der Welt treten in der Bay of Fundy und der Ungava Bay in Kanada auf. Dort erreicht der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser unter günstigen astronomischen Bedingungen nahezu 17 Meter. Weitere bedeutende Gezeitenregionen sind der Bristol Channel in Großbritannien, die Bucht des Mont-Saint-Michel in Frankreich sowie der Golfo San José in Argentinien.
Die stärksten Gezeiten der Welt zeigen eindrucksvoll, dass die Ozeane keineswegs statisch sind. Zweimal täglich bewegt der Mond Milliarden Tonnen Wasser um den Globus – und an einigen wenigen Orten wird diese Kraft durch Ebbe und Flut sichtbarer als irgendwo sonst auf der Erde.
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